13. 08. 103 km
266 Höhenmeter
Am frühen Morgen verließen wir Strasburg und fuhren bei glühender Hitze bei 37 Grad über meistens schöne Straßen und Wege nach Karlsruhe.
Am Rhein haben wir Pause gemacht und waren erschreckt über den geringen Wasserstand des Flusses.
in Karlsruhe angekommen legten und wir uns nach über 100 absolvierten Kilometern bei dieser ungewöhnlichen Temperatur nach einer eiskalten Dusche in unserem klimatisierten Zimmer ins Bett und ruhten
uns bis zum Abend aus. Als wir gegen
19 Uhr dann aus dem Hotel kamen , hatten wir nicht den Eindruck, das die Lufttemperaturen merklich abgenommen hätten.
Zum Glück war der Fußweg zum Schloss und dem direkt daneben gelegen Bundesverfassungsgericht nicht sehr weit. Da uns ansonsten keine weiteren Sehenswürdigkeiten in Karlsruhe bekannt waren, bummelten
wir noch etwas durch die sehenswerte Altstadt und fanden dabei ein schönes vietnamesisches Lokal, das seinem äußern Anschein bei der Qualität des Essens auch gerecht wurde.
Nach Rückkehr ins Hotel enterten wir die Dachterrasse im 10. Stockwerk und nahmen noch mehrere gepflegte Gin Tonic über den Dächern der nächtlich erleuchteten Stadt.
14. 08. 78 km 382 Höhenmeter
Morgens haben wir in aller Frühe in der Innenstadt gut gefrühstückt und sind anschließend durch den schönen Schlosspark in Richtung Nordosten geradelt.
Es ging über schöne schattige Waldwege die ersten zwanzig Kilometer in der Morgenfrische wie von allein, heftiger wurde es im späteren Verlaufe des Vormittags, als wir mehrheitlich durch
schattenarme Felder fuhren und die Temperatur sich der 39 Grad- Marke näherte.
Da hört dann der Spaß am Radfahren auf und man sehnt sich nur noch ans Ziel und unter die kalte Dusche.
In Sinsheim am frühen Nachmittag in glühender Hitze angekommen, haben wir uns als erstes Karten für die Technikmuseen in Sinsheim und Speyer besorgt und uns dann endlich in den Schatten gesetzt und in der netten Innenstadt einen guten und riesigen Eisbecher verdrückt, der unseren Lebensgeistern wieder mächtig auf die Sprünge half.
Das Abendessen gab es in einem sehr schicken Restaurant direkt am Bahngleis, allerdings war das Ambiente schicker als die Qualität der Speisen. Der Koch war eher Verbandsliga.
15. 08. 6 km
Heute waren wir den ganzen Tag von 09
bis um 21 Uhr im
Technikmuseum von
Sinsheim. Hierhin
möchte ich schon seit Jahren und nun kann ich feststellen, das es noch vielgestaltiger, imposanter und reichhaltiger ist als ich es mir vorgestellt hatte.
Ich war etwas skeptisch, ob die beste Ehefrau von allen meine Leidenschaft und Begeisterung teilen würde, aber ihr hat es genauso gut gefallen wie mir.
Unter anderem haben wir eine Concorde und deren sowjetisches Gegestück sowie ein
U- Boot der Bundesmarine von innen besichtigen können und unzählige Autos, Motorräder, Dampfloks, Trecker, Strassenbaumaschinen und riesige Dampfmaschinen gesehen und bestaunt. Diese Werte, die in diesem Museum herumstehen, sind unglaublich, zumal der Erhaltungszustand der vielen, vielen Ausstellungsstücke tadellos ist. Erwähnenswert ist unbedingt, das wir dort die beiden originalen Hondas besichtigen konnten, mit denen ein deutsches Pärchen unlängst für fünf Jahre um die ganze Welt gefahren ist. Beide Maschinen hatte jeweils ca. 280.000 km auf der Uhr!!!
Nachdem wir bis zur Erschöpfung durch all' diese Schätze gewandert sind, haben wir uns noch rasch Karten im museumseigenen Kino besorgt für die Neuverfilmung der Odysee. Leider bekamen wir in diesem riesigen Kino (Leinwandgrösse 20 x 27 m) nur Plätze in der zweiten Reihe ganz außen. Kurz vor Beginn der ausverkauften Vorstellung bin ich nochmals zur Kasse und es gelang mir, zwei nicht abgeholte Karten gegen unsere einzutauschen, wir saßen nun auf den Königsplätzen in der hinteren Reihe direkt in der Mitte.
Nach drei Stunden war der sehr sehenswerte Film dann zu Ende und wir bekamen in der Innenstadt von Sinsheim noch einen guten Nachtimbiss und, weit wichtiger, noch eiskalte riesige Biere und Weissweinschorlen.
Ein herrlicher Tag ging damit zu Ende.
16, 08. 45 km 245 Höhenmeter
Bei nochmals 37 Grad verließen wir nach dem Frühstück Sinsheim und fuhren gemächlich durch die heiße und vertrocknete Landschaft die wenigen Kilometer nach Speyer.
Kaum im Hotel eingecheckt und gerade beim Waschen trieb uns ein ohrenbetäubender Feueralarm wiederin die Lobby, in der es schon von behelmten und mit Atemschutzgerät ausgestatteten Feuerwehrleuten
wimmelte. Zum Glück stellte sich nach kurzer Zeit heraus, das in einem der Zimmer ein Rauchmelder defekt war, also Fehlalarm.
Wir bummelten durch Speyer, sahen uns den Dom an und bekamen ein wunderbares Abendessen in einem prima Restaurant in der Hauptstraße.
17. 08. 5 km
Technikmuseum, der 2, Teil
Die beiden Museen in Sinsheim und Speyer gehören zusammen und sind nur zwei Dependencen des gleichen Trägers.
Uns erwartete während eines langen Tages wieder eine riesige Ausstellung mit einer Unzahl top aufbereiteter und gepflegter Anschauungsobjekte.
Die russische Raumfähre "Buran", eine
Antonov 22 (größtes Serienflugzeug der Welt),
die amerikanische Mondlandefähre der
Apollo 11, eine Boing 747, deren Frachtraum und Flügel begehbar sind, ein U-Boot, ein Seenotrettungskreuzer und diverse Attraktivitäten mehr waren zu bestaunen und zu erlaufen und zu erleben.
Herrlich, ich kann jedem einen Besuch dieser Häuser nur empfehlen.
Am späten Nachmittag sahen wir uns im IMAX-Kino noch eine gut gemachte Doku über die Geschichte der Luftfahrt an.
Bei schwindendem Tageslicht gab es dann ein Abendessen am Fuße des Domes.
18. 08. 52 km
215 Höhenmeter
Der heutige regnerische Fahrtag diente nur dem Vorankommen.
Langweilige Landschaft mit viel Industrie, hässliche Dörfer, keine architektonischen Highlightˋs - Rheinland pur
Jetzt fehlt nur noch obergärige dünne Bierplürre aus dem Reagenzglas, aber das kommt noch.
Der Höhepunkt des Tages war ein leider zu kurzes Treffen mit Marions alter Freundin Tatjana, die wir das letzte Mal vor einigen Jahren bei einer Hochzeit im Ahrtal getroffen haben.
Wir sind jetzt in Worms im Hotel und fahren gleich für das Abendbrot in die Innenstadt, vielleicht ist ja sogar der Dom noch geöffnet.
19. 08. 64 km 280 Höhenmeter
Heute haben wir auf der Fahrt nach Mainz zum ersten Mal auf dieser Tour unsere Regenjacken nötig gehabt, zwischendurch hat uns ein heftiger zwanzigminütiger Regenschauer festgenagelt, zum Glück gab es gerade ein Bänkchen im Schutze eines kleinen Wäldchens.
Die Fahrt war weder besonders anstrengend noch besonders abwechslungsreich, fast immer am Rhein entlang, der unglaublich wenig Wasser führt.
In Mainz angekommen besichtigten wir zuerst den Dom und setzten uns dann in den wenigen heutigen Sonnenstrahlen auf den sehenswerten Vorplatz und löschten unseren Durst.
Jetzt sind wir im Hotel und in einer halben Stunde ist die Sauna an, das wird Marion's Rücken gut tun.
Die Sauna befindet sich übrigens in einem Teil der ehemaligen Sektkellerei Kupferberg (Gold), auf deren ehemaligem Gelände das ganze Hotel steht.
Danach geht es ins hoteleigene italienische Restaurant zum Abendessen.
Hoffentlich wird morgen das Wetter wieder besser.
20. 08. 66 km
124 Höhenmeter
Am Morgen fuhren wir voller Tatendrang und Energie aus Mainz heraus und folgten dem Rhein in Richtung Norden.
Als wir nach 22 km unsere erste Pause machten, stellten wir fest, das wir Marions Brieftasche im Hotelsafe liegengelassen hatten.
Nach mehreren Telefonaten konnten wir jemanden erreichen, der die Brieftasche aus dem Safe geholt hat und an der Rezeption deponierte.
Für uns hieß das, das schon gebuchte Hotel rheinaufwärts in Boppard zu stornieren, eine neue Unterkunft für die nächste Nacht zu suchen und danach die ganze Strecke zurückfahren bis nach Mainz.
Nachdem wir die Brieftasche dann glücklich an Land gezogen hatten, hieß es nun wieder zum dritten Mal am heutigen Tag durch die räudigen Industriegebiete nördlich von Mainz zu fahren und ins Hotel für heute einzuchecken.
Zum Glück gibt es überall auf der Welt italienische Eisdielen!
Nach einem sonnigen Nachmittag gingen wir am Abend über die Straße zum Italiener, dessen Terrasse direkt am örtlichen Fußballplatz lag. Während des Essens beobachteten wir das komplette Spiel des örtlichen Vereins FV Büdendorf gegen ein Nachbarkaff und freuten uns über die nette Atmosphäre auf und neben dem Platz.
Ein letztes Bier auf unserem Balkon beendete den schönen Abend.
21. 08. 74 km 302 Höhenmeter
Das Wetter hat sich gedreht. Seit dem es heute Nacht geregnet hat, ist die Temperatur merklich gefallen und beim morgendlichen Start in den Tag bevorzugt die beste Ehefrau von allen jetzt eine Wolljacke als passende Oberbekleidung.
Immer rheinaufwärts ging es nun über zumeist akzeptable Wege weiter nach Norden.
Nach einigen Stunden fuhren wir unter der Schönburg in Oberwesel hindurch und ich erinnerte mich an eines der schönsten Silvester in meinem Leben, das ich vor dreißig Jahren mit einer Gruppe von
Freunden, zu der auch mein alter Freund Bernd gehört hat, dort stilvoll und atmosphärisch dicht gefeiert habe.
Ab Oberwesel sieht der Rhein dann endlich so aus, wie ihn uns unsere Altvorderen in Gedichten und Bildern immer wieder beschworen haben. Da schlängelt sich der Fluss im natürlichen Bett durch
schroffe Felsen und an beiden Seiten des Stroms sind alle paar Kilometer Burgen, Schlösser oder deren Ruinen zu sehen und die kleinen Dörfer sind ansehnlich und einigermaßen intakt und kaum von
unglaublich hässlicher Nachkriegsarchitektur verschandelt wie noch einige Kilometer vorher.
Eine Laabsal für Augen und Gemüt.
Am Nachmittag erreichten wir unser schönes Hotel in Boppart und bekamen dort das einzige Zimmer mit Balkon auf den Rhein.
22. 08. 80 km 344 Höhenmeter
Hinter Boppard, das wir am Morgen nach einem, zurückhaltend ausgedrückt, mäßigen Frühstück verließen, wird der Rhein wieder öde und hässlich.
Eingedämmt und mit Industriebauten aller Art, vom Kernkraftwerk bis zur Kartonagefabrik zugepflastert, waren wir froh, als die dröge Strampelei mit fortwährendem Gegenwind und manchmal einsetzenden
Regenschauern in Remagen endlich vorbei war.
Um 15 Uhr erreichten wir unser Hotel und eine halbe Stunde später begann im TV das Pokalspiel Hertha gegen Saarbrücken, das nach Verlängerung und Elfmeterschießen dann endlich seinen verdienten Sieger fand. HA HO HE
Am Rheinufer haben wir durch einen Tip unseres Hoteltezeptionisten ein wirklich gutes Restaurant gefunden.
Ein prima Essen und ein herrlicher Rotwein bildeten den Abschluss des Tages.
23. 08. 17 km
Wir sind heute mit der Bahn zusammen mit unseren Rädern nach Altenahr ins Ahrtal gefahren, wo Marion damals mit ihrer Familie eine Restaurant betrieben hat.
Dieses Haus ist gemeinsam mit vielen anderen im Tal bei der riesigen Flutwelle im Jahr 2021 teilweise weggespült worden und wir wollten die Gelegenheit nutzen und uns über den Fortschritt der Aufbaumassnahmen im Tal zu informieren; das letzte Mal waren wir vor drei Jahren hier.
Es hat sich schon viel verändert seit dem, die Bahn fährt wieder durchgängig durch das Tal, auch die Autostrasse und die Brücken sind wiederhergestellt. Viele Häuser allerdings sind noch verlassen oder nur noch abrissreife Ruinen.
Am Nachmittag haben wir uns eine alte, gut erhaltene Villa aus römischer Zeit angeschaut, die 1980 im Zuge von Strassenbaumassnahmen entdeckt wurde und seitdem soweit restauriert wurde, das sie nun seit Jahren dem Publikum zugänglich ist. Eine ganz besondere Erfahrung, durch die Gänge eines mittlerweile annähernd 2000jährigen Hauses zu wandeln.
Während der Radfahrt durch das Tal entdeckte ich plötzlich, das mein Hinterrad an mehreren Stellen der Felge angebrochen ist, die Tour mit dem schweren Gepäck fordert jetzt ihren Tribut. Das heißt für uns, das wir morgen in aller Frühe aufstehen müssen und als erstes eine Werkstatt finden müssen, die das Hinterrad austauscht.
Nach unserem Ausflig erholten wir uns auf der warmen Dachterrasse des Hotels und gingen in die Sauna.
Am Abend haben wir in der letzten Sonne am Rhein gesessen und deftig deutsch gegessen.
24. 08. 121 km 401 Höhenmeter
Heute Morgen gab es eine wirklich komische Situation: ich hatte ja gestern schon berichtet, das ich heute zuallererst ein neues Hinterrad besorgen muss. Dazu habe ich mir gestern Abend den am ehesten geöffneten Fahrradladem rausgesucht, der allerdings 11 km entfernt in Ahrweiler lag. Also sind wir beide früh aufgestanden und hatten mit uns so zeitig auf den Weg gemacht, das wir kurz nach 8.00 Uhr dort vor der Werkstatt standen. Der Mechaniker kam auch gleich heraus, besah sich das Rad und pflichtete mir bei, das man damit nicht mehr weiterfahren könne. Allerdings hätte er kein passendes Hinterrad vorrätig und müsste das erst bestellen, Liefertermin in zwei Tagen.
Da ich aber in Kerpen das Hotel schon bestellt und bezahlt hatte, wollte ich jetzt nicht zwei Tage auf das Ersatzteil warten. Alle beiden anderen Fahrradgeschäfte am gleichen Ort würden mir auch
nicht helfen können, dazu sei meine Hinterradgrösse zu selten, meinte der Fachmann noch.
Ich rief daraufhin in einer Fahrradfabrik an, die mittlerweile geöffnet hatte und dort hatte man das benötigte Rad auf Lager und würde es "ausnahmsweise " auch sofort einbauen. Blöd war nur, das die
Fabrik in der Nähe unseres Hotels der letzten Nacht gelegen war, wir also die ganze Strecke exakt wieder rückwärts fahren konnten.
Um elf Uhr war das Fahrrad dann endlich und zum Glück reisefertig und wir konnten unsere Tour nach Kerpen endlich beginnen. Was haben wir uns gefreut, als das Navi nach Eingabe der Daten eine Tour vorschlug, die uns nötigte, den heute schon doppelt zurückgelegten Weg exakt ein drittes Mal entlangzufahren.
Jedenfalls sind wir hernach durch schöne, einsame Wege entlang des Swisttals im strahlenden Sonnenschein bei 24 Grad geradelt und waren froh, endlich dem Rheintal entkommen zu sein.
Jetzt sind wir gerade im Hotel angekommen, haben geduscht und werden gleich ins hauseigene China-Restaurant zum Abendessen gehen und danach das Pokalspiel von Schalke schauen, dem die beste Ehefrau von allen als Mitglied schon entgegenfiebert (ich stehe derartigen Entgleisungen jetzt seit 23 Jahren fassungslos gegenüber, habe mich aber dank meines Schaukelpferdgemüts daran gewöhnt).
25. 08. 64 km
412 Höhenmeter
Die Fahrerei heute war langweilig und führte uns durch uninteressante, bisweilen hässliche Dörfer und entlang riesiger Kraterlandschaften,die der Braunkohletagebau um Aachen herum hinterlassen hat.
Am Nachmitteg erreichten wir Aachen und gingen natürlich zuerst in den Dom und besahen uns den goldenen Schrein und den Thron Karls des Großen , den sowohl wir Deutschen als auch die Franzosen als
ihren Reichsgründer verehren.
Man kann schon ehrfürchtig werden, wenn man in einem 1200 Jahre alten Gebäuden von dieser Pracht und diesen Ausmaßen steht und vor dem steinernen Königsthron, auf dem nahezu 700 Jahre alle deutschen
Kaiser und Könige Platz genommen haben.
Ein Bummel durch die wirklich sehenswerte Altstadt rund um Dom und Markt und ein Besuch einer Printen-Bäckerei schlossen sich an.
Skuril wurde es am Abend: unser Hotel befand sich etwas außerhalb der Innenstadt und wir wollten in fussläufiger Entfernung etwas essen gehen. Direkt neben unserer Unterkunft befand sich ein weiteres Hotel mit ausgewiesenem Restaurant.
Wir betraten die relativ große und auf den ersten Blick leere Lobby. Nach kurzen unschlüssigen Warten erkannten wir, das zwischen der Oberkante des Tresens und der Unterkante eines Flachbildschirms ein Augenpaar das Terrain beobachtete wie der Fahrer eines Schützenpanzers.
Wir sagten nach dieser Entdeckung freundlich guten Abend und fragten nach dem Restaurant.
"Sind sie vom Hotel nebenan?"
"Äh, ja"
"Das ist mal wieder typisch, die verdienen und wir haben jetzt die Arbeit"
Das Wesen erhebt sich (auf den zweiten Blick wohl weiblich und auf kurzen Füßen so beleibt, das, wenn man sie rot oder grün eingefärbt und mit einer Kette am Fuß auf einen Tonnenleger auf der Nordsee verbracht hätte, nur alte und sehr erfahrene Arbeiter diese humanoide Replik von ihre normalen Tonnen zu unterscheiden gewusst hätten), watschelt Richtung Küche und schreit: "Helmut, nehmen wir noch eine Bestellung für heute Abend an?".
Nach zustimmenden Grunzlauten aus der Küche werden wir in ein völlig leeres, aber für ca. 50 Gäste komplett eingedecktes großes Gastzimmer geführt.
"Ihr könnt Euch hinsetzten, wo ihr wollt".
Dankend nehmen wir diese freundliche Einladung an, jetzt schon versichert, einen unvergesslichen Abend vor uns zu haben.
Als Nächtes erfolgt der Auftritt vom Patron höchstselbst; das Amuse gueule in Form zerschnippelter Salamiwurstscheiben und furztrockener alter Oliven nebst Butter und krümeligem, trockenem Baguette formvollendet in Cordhosen servierend.
Auf unser Bitten entzündete er die Kerze am Tisch, schließlich wollten wir es nun richtig romantisch haben und nur erstaunt umschauen und kichern ist ja für einen derartigen Gourmet-Tempel auch kein adäquates Verhalten.
Der Lachs auf Gartensalaten mit Trallala-Hoppsala- Dressing entpuppte sich natürlich als aus Fertigprodukten von Aldi-Süd zusammengestoppeltem Vorspeisenteller und das "Original Wiener Schnitzel vom Kalb" war glücklicherweise soweit erwärmt worden, das im Inneren keine Eiskristalle mehr detektiert werden konnten. Voila, ein wahrhaft fürstlicher Genuss.
Ok, schlecht gegessen hat man ja leider schon öfter, nur waren wir den ganzen Abend lang die einzigen Gäste in diesem Lokal, das von der 70er-Jahre-Anmutung her aus einem Loriot-Film hätte stammen können; ich hätte mich nicht verwundert, wenn der Knilch am Ende noch gefragt hätte: "Darf es für die Herrschaften zum Dessert noch ein Kosakenzipfel sein?". Köstlich, ein Abend für das Anekdotenbüchlein.
26. 06. 64 km 361 Höhenmeter
Heute Vormittag war es kalt und regnerisch.
Kaum in Holland angekommen mussten wir in einer Bushaltestelle wegen eines aufziehenden Gewitters ersteinmal eineinhalb Stunden Pause einlegen.
Danach klarte der Himmel glücklicherweise auf und langsam stiegen die Temperaturen dann auch auf angenehme 24 Grad.
Das Fahren durch Holland und später Belgien machte viel Freude, da wir auf einem völlig eigenen Fahradwegenetz unterwegs waren, was komplett vom Autoverkehr losgelöst ist mit eigenen Tunneln, Brücken, Kreuzungen und Ampelanlagen.
Die Dörfer sind alle sehr aufgeräumt und voller Blumenschmuck in gepflegten Vorgärten vor hübschen und gepflegten Häusern. Ein Augenschmaus und das völlige Gegenteil zu den lieblos verramschten und phantasielos hingestoppelten Dörfern und Kleinstädten im Rheinland auf unserer Seite der Grenze.
Am Nachmittag erreichten wir Hasselt, eine richtig puppige Kleinstadt in Belgien und wir bummelten in der lauen Abendsonne durch die pittoresken Gassen und erfreuten uns des Lebens im Allgemeinen und der ausgezeichneten belgischen Biere im Besonderen.
27. 08. 65 km 166 Höhenmeter
Nach einem späten Frühstück verließen wir Hasselt und radelten bei freundlichem Spätsommersonnenschein durch das liebliche belgische Land.
Jedes einzelne Dorf, das wir durchquert haben, war eine Augenweide, der Belgier macht sich sein Anwesen, ob groß oder klein, wirklich schön.
Wir fuhren heute lange Zeit am Albert-Kanal und an einer stillgelegten Bahntrasse entlang und genossen das entspannte Radeln sehr.
Pause machten wir am Kanal in einer Strandbar, in der wir fast eine Stunde lang die einzigen Gäste waren.
Einige Kilometer später drang angenehmes Motorengeräusch an mein Ohr, das mit mit jeder Kurbelumdrehung lauter wurde, bis wir unwissend direkt am Zaun der Zielgeraden des Motodroms von Zolder standen. So konnte ich für einige Zeit das erste freie Training für die Tourenwagen für die 24 Stunden von Zolder beobachten, das amWochenende gestartet werden wird. Leider wurde die beste Ehefrau von allen schon nach wenigen Minuten ungeduldig, da ihr für derartige Vergnügungen schlichtweg das Gespür fehlt und sie das Ganze nur als "Krach" betitelt.
(manchmal ist sie temporär nur die zweitbeste Ehefrau von allen),
Am frühen Nachmittag erreichten wir unser Ziel für heute, eine sehr hübsche Pension mitten in der Natur am Rande eines kleinen Örtchens.
Auf der Terrasse ließen wir uns unter schattenspendenden Ahornbäumen das erste (alkoholfreie) Bier des Tages schmecken.
Jetzt haben wir unser Zimmer bezogen, eigene Sauna und Terrasse warten, um den Nachmittag zu genießen und am Abend werden wir von der Wirtin mit Muscheln bekocht,da es hier wohl meilenweit kein Restaurant gibt.
28. 08. 63 km 132 Höhenmeter
Die Wettervorhersage am Morgen alarmierte uns, denn ab 11 Uhr waren nun entgegen der Prognose vom Vorabend schwere Regenfälle mit Gewitter vorhergesagt. Wir haben uns daher rasch fahrfertig
gemacht, die Bikes beladen und den Kaffee des allerliebst zubereiteten Frühstücks nur heruntergestürzt und sind danach sofort Richtung Antwerpen losgefahren.
Die Fahrt ging wieder lange Zeit am Albert-Kanal entlang und wir konnten so den regen Schiffsverkehr bei unserer Strampelei beobachten.
Wir kamen bei verdunkeltem Himmel dann trocken in Antwerpen an und konnten uns umziehen und in der Lobby dann die zwei Stunden warten und lesen, bis wir unser Zimmer bekamen.
Unser erster Ausflug endete in einer typisch belgischen Frittenbude, in der uns massive Regenschauer dann einige Zeit festnagelten.
Den Rückweg zum Hotel nahmen wir dann witterungsbedingt durch den Hauptbahnhof, eine Kathedrale der Eisenbahntechnik des 19. Jahrhunderts.
Das ist das imposanteste Bahnhofsgebäude, das ich kenne und stellt den Leipziger Hauptbahnhof völlig in den Schatten. Großartig.
Am Abend ließ der Regen dann endlich nach und wir nahmen unsere Räder und fuhren in die architektonisch beeindruckende Innenstadt.
Auf einem riesigen Platz fanden wir ein prima Restaurant und haben mehrere Sorten des sehr guten belgischen Bieres ausprobiert.
29. 08.
Am Morgen konnten wir uns mit dem Frühstück Zeit lassen, da es seit Mitternacht ununterbrochen geregnet hatte. Als sich das Wetter gegen elf Uhr besserte, nahmen wir unsere Räder und fuhren zur Haltestelle einer kleinen Bimmelbahn, mit der wir durch die Stadt fuhren und vom ausgesprochen netten Fhrer erhielten wir manch interessante Hintergrundinformation zur Geschichte dieser Handelsstadt.
Bevor der Regen neuerlich einsetzte konnten wir noch einige Kilometer auf unseren Rädernabsolvieren und konnten uns die Innenstadt Straße für Straße anschauen.
Nachmittags gönnten wir uns im begrünten Innenhof des Hotels eine Flasche Rosé, wurden nach ein paar Minuten vom einsetzenden Wasser von oben rasch ins Innere verwiesen.
Abends gab es ein Fiasko beim Abendessen und anschließend einige einheimische Biere im wieder strömenden Regen auf dem wassergeschützten Aussenbereich einer Kneipe.
30. 08.
Heute stand ein ausgiebiger Stadtbummel auf dem Programm.
Wir waren in aller Frühe auf dem Rathausplatz und im Museum mit einer Aussichtsplattform im 10. Stock, haben mit den "Wasserbus" einen Ausflug in den riesigen Hafen (fast doppelt so groß wie Hamburg) und in einen kleinen, verträumten Vorort unternommen, sind nach unserer Rückkehr mit dem Riesenrad an der Schelde gefahren, waren in der Altstadt prima Abendessen und sind nun wieder bei der zweiten Hälfte unserer Flasche Rosé im Hotel gelandet.Ein toller und ereignisreicher Tag.
31. 08. 62 km 108 Höhenmeter
Heute mussten wir in der Lobby unseres Hotels bis 15.0o Uhr warten, bis der Regen aufhörte und wir unseren letzten Fahrtag nach Brüssel absolvieren konnten.
Dort angekommen, haben wir eines der schönsten Hotels unserer Reise bezogen und gingen anschließend sofort in die belebte Innenstadt zum Essen.
Brüssel erinnert mich genau wie an meinem ersten Besuch vor 18 Jahren manchmal an Paris mit seiner Lebendigkeit, seinen schönen Bauwerken und seinen prächtigen Boulevards, die sich mit kleinen, lieblichen Nebenstraßen abwechseln.
Unser Abendessen in unserem quirligen Viertel der Stadt war ein Volltreffer und das Bier schmeckt ohnehin vortrefflich.
Morgen mehr.
Gute Nacht, liebe Freunde.
01. - 03. 09.
Brüssel ist eine tolle und lebendige Stadt.
Wir sind von morgens bis abends unterwegs und genießen das pralle Leben.
Zuerst haben wir eine Stadtführung mit Leihfahrrädern gemacht und hatten dabei einen prima Guide, der uns z.B. einen unterirdischen Friedhof oder aufwendig erneuerte alte Industriehallen nebst den sonstigen Sehenswürdigkeiten der Stadt nahegebracht hat.
Wir haben dann das Atomium bewundert, das genauso beeindruckend im Sonnenschein war, wie ich es vor 18 Jahren schon erlebt habe; die beste Ehefrau von allen war ganz hingerissen und wollte gar nicht mehr weg davon.
Danach haben wir uns das Expo- Gelände angesehen und fuhren anschließend zum Miniaturpark Europa, wo die Hauptsehenswürdigkeiten aller EU- Staaten sehr liebevoll und hochwertig als Modelle aufgebaut worden sind nebst Erklärungen der landestypische Eigenheiten. Ganz Europa in drei Stunden - tolle Idee!
Natürlich kamen gutes Essen und diverse belgische Bierspezialitäten nicht zu kurz, gerade von letzteren gibt es hier eine so unglaublich zahlreiche Auswahl, das man hier selbst als Deutscher noch überrascht ist ob der Vielfältigkeit der Geschmäcker.
Natürlich sind wir mit unseren Rädern auch zum Europaviertel gefahren, um uns das Herzstück unseres Kontinents anzuschauen, das Parlament.
Leider ist diese ungemein wichtige Institution architektonisch nicht so gelungen und wird nur durch das umgebende Ensemble anderer europäischer Institutionen wie dem Gebäude des Europäischen Rates
aufgewertet.
Jetzt steht noch ein weiterer Bummel durch die wunderschöne Altstadt rund um eines der schönsten Plätze Europas am Rathaus, eine Fahrt mit dem Riesenrad, ein Besuch des pompösen Justizpalastes und als Höhepunkt das Konzert von Emmylou Harris auf dem Programm, bevor es morgen mit der Bahn wieder nach Hause geht.
jeden Tag wird der Blog erweitert
die Tour in Zahlen:
zurückgelegte Kilometer: 2989
Fahrtage: 39
durchschnittliche Kilometerleistung pro Tag: 77 km
durchfahrende Länder: 5 (Deutschland, Schweiz, Frankreich, Holland, Belgien)
vermuffelte Eisbecher: deutlich mehr als Salatschüsseln (1:0 für Papa)
Danke, das Du unsere Tour verfolgt hast.
Es hat uns ungemein Vergnügen bereitet und es war wieder einmal interessant, unser Vaterland und unsere Nachbarn aus der Perspektive des langsam Reisenden auf nicht immer ausgetretenen Pfaden zu erleben und zu Erfahren im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich kann es jedem nur empfehlen, sich mal von Flugzeug oder Auto als Fortbewegungsmittel im Urlaub zu lösen und auf Fahrrad oder Wanderstiefel umzusteigen, die Welt bekommt dann ein andere Perspektive der Betrachtung.
Der nächste Blog wird unsere mehrjährige Weltreise auf Motorrädern sein, die im Sommer des kommenden Jahres beginnen wird.
Ich freue mich schon jetzt auf ein Wiedersehen mit Dir dann auf diesem Kanal.
Alles Liebe bis dahin von uns - Ciao
Over and Out