Freitag, 23. 01. 2026
Gunnar (Fachschaftskumpel, später mein Student an der Charité und noch später Kollege und die ganze Zeit Freund) und ich hatten schon vor Jahren die Idee, an dieser von Zahnärzten organisierte Rally zum Nordkap teilzunehmen, doch machten uns erst Corona und danach andere Widerwertgkeiten des Selbstständigendaseins in den vergangenen Jahren einen Strich durch die Rechnung.
In diesem Jahr hat es nun geklappt und wir werden zwei Wochen mitten im Winter zum Nordkap fahren und anschließend zu dem Zielort nach Danzig und dann zurück nach Berlin.
Sauna kann jeder.
8000 km bei -35 Grad Celsius über verschneite und vereiste kleine Straßen, oft in völliger Dunkelheit, da es Tageslicht nur wenige Stunden gibt zu dieser Jahreszeit im hohen Norden - das wird eine Herausforderung der besonderen Art.
Wir hatten die Tour ursprünglich mit meinem Range Rover geplant und werden jetzt mit Gunnars BMW X 7 unterwegs sein, bequem und groß genug für den ganzen benötigten Kram und mit Vierradantrieb.
Um 11 Uhr kam Gunnar pünktlich in Glienicke an, um mich und das ganze Gepäck einzuladen. Nach dem Abschiedskuss für die beste Ehefrau von allen zuckelten wir los und kamen vier Stunden später staufrei in unserem Starthotel in Neustadt/Holstein an und genossen am leeren Ostseestrand ersteinmal mehrere Gläser Glühwein zur Einstimmung.
Danach lernten wir bei einem guten Fondue alle weiteren Teilnehmer der Rally kennen.
Um Mitternacht verabschiedeten wir uns in unsere Einzelzimmer, ab morgen gibt es für uns Übernachtungen in Doppelzimmern und Gunnars berüchtigte Säge wird meine Einschlafmelodie werden für die nächsten zwei Wochen.
24, 01.
Um 8.00 Uhr rollten wir in Puttgarden auf die Fähre nach Dänemark und fuhren über Kopenhagen und Göteborg nach Oslo.
Unsere erste Aufgabe bestand darin, ein Bäumchen, das man uns am Vorabend ausgehändigt hatte, irgendwo längs der Route einzupflanzen, was bei dem gefrorenem Boden nicht ganz einfach war. Wir
bezweifeln, ob unser Baum (und alle anderen auch) das Frühjahr erleben werden.
In Oslo angekommen begaben wir uns zügig zu (mäßiger) Pizza und gezapftem Bier in die Bar und schauten dort das Handballspiel Deutschland - Norwegen, das bei den Einheimischen aber kaum beachtet wurde, demzufolge hielt sich ihre Trauer nach der Niederlage auch in Grenzen.
25.01.
Nach einem sehr zeitigen Frühstück war unser erstes Ziel die Olympia - Bobbahn in Lillehammer.
Dort konnten alle Interessierten mit dem Bob und einem Fahrer die Bahn hinunterbrettern, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen.
Nahezu 100 km/h und 3G hinterließen bei uns einen bleibenden Eindruck-es war eine einmaliges Erlebnis und als Highlight meines Geburtstages würdig!
Am Abend erreichten wir Molde an der Küste und nach einer Flasche guten Valpolicella gingen wir am Strand zu einem Steakhaus und ließen es uns schmecken.
26.01.
Nach einer relativ kurzen Nacht und einem guten Frühstück fuhren wir morgens in Kolonne über die "Atlantik-Straße"; sehr malerisch, da sich stellenweise auf beide Seiten des Weges Wasser befindet inmitten einer herrlichen skandinavischen Landschaft.
Gunnar und ich machten uns dann bei eisigen Temperaturen auf zu einem kleinen Spaziergang in einer Bucht mit vorgelagerten Inseln und ich beschloss, hier unbedingt noch einmal im Sommer mit dem Motorrad und der besten Ehefrau von allen herzufahren.
Einge Fahrstunden später hielten wir in der Nachmittagssonne an, um die neue Espressomaschine auszuprobieren, die ich unmittelbar vor Fahrtantritt noch besorgt hatte.
Prima Aroma.
Jetzt können wir uns täglich unterwegs einen guten heißen Kaffee zubereiten, dessen Wärme wir hier gut gebrauchen können.
Am frühen Abend trafen wir in Trondheim ein und hier erwartete uns wieder ein exzellentes Hotel.
Das Abendessen war ok aber nicht berauschend und die Kellnerin so eisig wir draußen das Wetter.
Jetzt lese ich noch ein Kapitel und dann Augen zu, morgen warten neue Abenteuer.
( Rechts unten im Bild bin ich )
27.01.
Heute war ein unspektakulärer aber landschaftlich wunderschöner Fahrtag nach Mo I Rana.
Wir nähern uns der Polarregion, hohe Schneewehen, eisbedeckte Flüsse und eingefrorene Wasserfälle sind derRahmen für unsere heutige Fahrt unter stahlblauem uns wolkenlosen Himmel. Ein Wintertag wie aus dem Bilderbuch in einer weißen Wunderwelt.
Nach dem kulinarischen Desaster gestern beschlossen wir, zukünftig unser Abendessen selbst zu organisieren und hatten damit heute einen absoluten Volltreffer: schon die Weinkarte las sich wie ein Märchenbuch voller Verheißungen und das Essen war ein Traum, die nette und witzige Kellnerin war ein völlig anderes Kaliber als die Kollegin vom Vortag.
Dabei bleiben wir, wir suchen selbst die Restaurants aus.
28.01.
Nach einem guten Frühstück brachen wir zeitig auf mit allen 18 Fahrzeugen, damit wir alle pünktlich beim ersten Sonnenlicht um 09.00 Uhr am Polarkreis eintrtreffen konnten.
Dies' ist eine unwirtliche aber wunderschöne Stelle, alle Bäume und Pflanzen traten kurz vorher an der Straße wie mit einem Messer abgetrennt zurück und wir befanden uns auf einer kahlen weißen
Ebene, eingefasst von mächtigen eisbedeckten Bergen, über die der kräftige Wind den kristallenen Pulverschnee trieb und immer wieder zu neuen Mustern ordnete.
Der mitgebrachte Glühwein der Teamleitung war hochwillkommen bei den eisigen Temperaturen.
Anschliessend ging es über vereiste und verschneite Straßen zum 450 km entfernten Fähranleger, um auf die Lofoten überzusetzen. Leider hatten wir dabei schon den zweiten Totalausfall eines Teams, einer der Wagen hat sich in einer kleinen Kurve mehrfach gedreht und ist in den Leitplanken gelandet und nur noch Schrott. Vorgestern hat sich schon ein Team verabschieden müssen, nachdem ihr VW Passat nach Überschlag auf dem Dach liegengeblieben ist.
Nach dieser unfreiwilligen Pause erreichten wir erst eine Fähre am Abend auf die Inseln, was sich aber als glücklicher Umstand herausstellte, da wir mit einbrechender Nacht immer intensivere Polarlichter beobachten und photographieren konnten.
jetzt folgen einige Bilder dieses wahrhaft erhabenen Naturschauspiels......
als Erinnerung: alle Bilder werden groß durch einfaches anklicken
Auch das heutige Restaurant war spitze, eine alte mehrhundertjährige alte Scheune, die liebevoll in ein gemütliches Lokal umgewandelt wurde.
Essen und Wein waren wieder zu unserer vollsten Zufriedenheit.
29.01.
Das ist der Blick aus meinem Hotelfenster heute Morgen.
Nach einem ausgezeichneten Frühstück erfolgte ein später Start, da Gunnar trotz Minustemperaturen Speedboot fahren wollte und dieses Boot erst gegen 12.00 Uhr wieder anlegte.
Wir fuhren dann über kleine Straßen bis 19.30 Uhr durch Nordnorwegen und nur diverse Photostops zum Einfangen der Aurea Borealis waren unsere Abwechslung zum Dauerfahren heute.
Das Hotel ist in einem kleinen verschneiten Dorf und das Abendessen war ok, nach einem letzten Bier liegen wir jetzt im Bett. Morgen erwartet uns eine 700 km Tour, die vermutlich mindestens 10 reine Fahrstunden dauern wird, eher mehr.
30.01.
Heute fuhren wir 750 km Ice-Roads durch Smaugs Einöde. Irre Fahrerei, da die Straßen teilweise blankes Eis sind, teilweise festgefrorener und festgefahrener Schnee, sehr tückisch zu befahren, gerade wenn eine Kurve auf die nächste folgt.
Aber wir haben es geschafft und sind jetzt 40 km vor dem Nordkap.
31.01.
Heute haben wir es (fast) geschafft - unser Ziel ist erreicht. Allerdings mit dem kleinen Wermutstropfen, das wir heute um 08.00 Uhr am Frühstückstisch erfahren haben, das wegen Starkwind die Straße zum Nordkap gesperrt ist und auch die einzige Strassenverbindung nach Süden von der Insel herunter, auf der wir uns gerade befinden. Das war eine Hiobsbotschaft, aber im Gegensatz zur Schwabenfraktion, die das kommentar-und emotionslos hingenommen hat, haben Gunnar und ich uns auf den Weg gemacht, um den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu verifizieren. Immerhin sind wir noch 13 km weiter nach Norden gekommen und stiessen dann auf eine heruntergelassene Schranke, an der unsere Reise dann wirklich 26 km vor dem endgültigen Ziel ein Ende fand und auch der Fahrer eines Räumfahrzeuges nicht zu erweichen war, dieses Hindernis für uns zu öffnen - Kismet.
Wir haben uns bei - 20 Grad noch ein wenig herumgetrieben und sind danach zum Hotel zurückgekehrt. Nach zwei Stunden brach dann die ganze Truppe auf, um im Konvoi hinter einer Schneefräse 50 km nach Süden eskortiert zu werden, das war heute die einzige Möglichkeit, die Insel zu verlassen. Anschließend fuhren wir in heftigem Schneesturm 335 km zu unserem heutigen Hotel. Zwischenzeitlich habe ich einige Fotos des Autos und der Landschaft gemacht und war jedesmal wieder froh, nach nur mehrminütigen kurzen Aufenthalten wieder im warmen Auto zu sitzen, die Mischung aus arktischer Kälte und Schneesturm war abartig. Da draußen hätte man nur wenig Chancen, ohne seine komplette Ausrüstung bei diesen Witterungsbedingungen zu überleben.
Nach einem durchwachsenen Rentiersteak und einigen Drinks an der Bar nahm der Tag ein versöhnliches Ende.
01.02.
Heute sind wir nach Finnland gekommen. Das Wetter hat sich gedreht, es ist nicht mehr so brachial kalt mit -12 bis - 8 Grad, dafür bedeckt und manchmal schneit es ein wenig, es ist eine andere Stimmung, die ganze Welt in abgestuften Weiß- und Hellgrautönen und völlig still.
Am Nachmittag ging es mit Karts auf einen zugefrorenen Fluss; jeder durfte fahren und das war auf blankem Eis natürlich eine riesige Gaudi.
Am Abend gab es für alle in einer urigen Holzhütte fangfrischen Lachs direkt vom Grill, zum niederknien.
Zum Glück konnten andere Mitfahrer mit technischem Geschick eine Live-Übertragung des ZDF sicherstellen, so das wir das EM- Handballfinale Deutschland- Dänemark verfolgen konnten. Finnland ist nun mal das einzige skandinavische Land, im dem dieser Sport leider überhaupt keine Rolle spielt, die Kellner haben nachgefragt, was wir dort begeistert und engagiert geschaut haben und wandten sich nach unserer Auskunft völlig desinteressiert ab - Ignoranten.
In diesem Hotel, ein Komplex aus Hölzhäusern mitten im Schnee, bleiben wir für drei Tage und werden noch mit Motor- und Hundeschlitten unterwegs sein; davon später mehr.
Morgen steht ein Event bei der Audi-Entwicklungsabteilung an und wir werden dann mit Rennwagen über das Eis gefahren. da freuen sich hier natürlich alle darauf und morgen gibt es bestimmt einiges darüber zu berichten.
Für heute wünsche ich Euch eine gute Nacht.
02.02.
Nach dem Frühstück ging es zum Audi-Zentrum in Lapland, das nur wenige Kilometer von unserem Hotel entfernt ist.
Nach einer netten Begrüßung und nachfolgender Einweisung in die Besonderheiten der Fahrweise auf Eis und Schnee konnten wir jeweils zu zweit ein Fahrzeug aussuchen und fuhren dann damit gemeinsam
mit dem Instruktor zu einer in den Schnee gefrästen Teststrecke auf einem riesigen zugefrorenen See.
Jede Gruppe bestand aus fünf Fahrzeugen und nach einer geführten Runde konnten wir uns dann, wechselweise am Steuer, stundenlang dort austoben.
Einen Sportwagen mit fast 1000 PS auf blankem Eis zügig zu bewegen erfordert schon etwas Geschick und je ein Mal übertrieben wir die Drifts auch und landeten im Tiefschnee. Ansonsten war es ein tolles Erlebnis, da der Parcours so groß war, das wir uns mit immerhin 25 aktiven Fahrzeugen nie in die Quere gekommen sind.
Nach dreieinhalb Stunden war der Spaß dann vorbei und wir brachten alle Wagen unbeschädigt zurück zum Zentrum. Nach dem Überreichen der Urkunden und der Verabschiedung unserer Gruppe ging es dann zurück in unser Hotel, wo schon das Abendessen auf uns gewartet hat. Ein toller Tag.
03.02,
Heute stand eine Ganztagestour mit Motorschlitten auf dem Programm.
Pünktlich zu diesem Event wurde es wieder kalt, 22 Grad minus hatten wir es heute. Verglichen mit meiner letzten Motorschlittentour in Lappland , mit der besten Ehefrau von allen vor einigen Jahren, wo wir bei -45 Grad unterwegs waren, fühlte sich das Wetter allerdings eher wie auf Mallorca an.
Es ging durch mystische verschneite Tannenwälder und über riesige vereiste Seen. Hierbei erschließt sich die skandinavische Winterwunderwelt nochmal aus einer anderen Perspektive, ebenfalls phantastisch schön.
Am Nachmittag erfolgte noch ein kurzer Zwischenhalt auf einer Rentierfarm, dort konnten wir die Tiere mit Moos füttern, das wäre auch etwas für das dicke Kind gewesen.
Jetzt sitzen Gunnar und ich im Hotelzimmer und warten auf das Abendessen.
Bis morgen, meine Lieben.